Schichtarbeit – Wie guter Schlaf Leben rettet

Schichtarbeit – Wie guter Schlaf Leben rettet
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Erholungszeit heißt Sicherheit. Immer mehr Menschen leiden unter Schlafstörungen – und die Tendenz ist steigend. Die Gründe sind vielfältig, meistens jedoch zählen ein unausgewogener Lebenswandel in Verbindung mit zu viel Stress und Sorgen zu den Hauptursachen. Das ist nicht nur im privaten Umfeld schwer zu tragen, sondern hat auch direkte Auswirkungen auf die Leistungsfähigkeit am Arbeitsplatz. Wer dauerhaft schlecht schläft, kann sich nicht optimal konzentrieren und neigt zu Unfällen und verzögerten Reaktionen. 

Studien und Statistiken sprechen eine klare Sprache: Von 2005 bis 20018 ist die Anzahl der Fehltage, die durch Schlaflosigkeit ausgelöst wurden, um fast 80 Prozent gestiegenEine Untersuchung der BG Verkehr aus dem Jahre 2017 hat außerdem ergeben, dass fast doppelt so viele Erwerbstätige Schlafmittel nehmen als es im Jahre 2010 noch der Fall gewesen ist. Man geht davon aus, dass chronische Schlafprobleme bei jedem fünften Berufsunfall eine Rolle spielen - insbesondere bei Stolper- und Sturzunfällen, die auf einer Baustelle oder beim Dachdecken Leben kosten können. 

 Jeder hat es schon erlebt: Die ganze Nacht unfreiwillig wach, da fällt es schwer, morgens in die Gänge zu kommen. Vor allem dann, wenn Konzentration und Ausdauer gefragt sind, macht sich der mangelnde Schlaf rasch bemerkbar. Ist es lediglich eine Ausnahme gewesen, lässt sich die Tagesmüdigkeit häufig noch gut durch verstärkte Anstrengung und eine Extraportion Kaffee kompensieren. 

Chronische Schlaflosigkeit wirkt wie Alkohol 

Stellen sich jedoch chronische Schlafstörungen ein, hat das unweigerlich Auswirkungen auf Ihre generelle Leistungsfähigkeit. Die Stress-Resilienz und körperliche Belastbarkeit sinken, die Nerven werden dünn und dem Gehirn fällt es immer schwerer, komplexe Aufgaben zu bewältigen. Das ist gerade in Berufen mit Schichtarbeit nicht unüblich. Immer wieder muss Ihr Körper sich auf einen neuen „Tag-/Nachtrhythmus“ einstellen. Auch wenn es manchen leichter fällt als anderen: der Körper ist einer zusätzlichen Belastung ausgesetzt.

Bei den meisten Menschen entsteht Schlaflosigkeit durch eine ungesunde Lebensführung und eine belastete Psyche, die eine Schichtarbeit meist nun mal mit sich bringt:

  • Ängste und Sorgen, zum Beispiel wegen finanzieller Unsicherheiten oder familiärer Probleme, können uns ebenso den Schlaf rauben wie
  • mangelnde Bewegung,
  • falsche Ernährung oder
  • zu hohe Anforderungen im Berufsalltag.

Dauerhafte Schlaflosigkeit kann auf den Organismus ähnlich wirken wie die Einnahme von Drogen oder stärkerer Alkoholkonsum: Unsere Bewegungen werden fahrig und schwammig, die Reaktionsfähigkeit vermindert sich, wir können unsere eigenen Fähigkeiten nicht mehr gut einschätzen. Wenn zusätzlich regelmäßig verschreibungspflichtige Schlaftabletten eingenommen werden, um dem entgegen zu wirken, kann ein negativer Kreislauf entstehen. Denn derartige Psychopharmaka können ebenfalls zu verstärkter Benommenheit, Schläfrigkeit und mangelnder Reaktionsfähigkeit führen. 

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Schichtarbeit und Erreichbarkeit rund um die Uhr

In vielen Tätigkeitsfeldern sind die Übergänge zwischen Arbeit, Privatleben und Entspannung inzwischen fließend – die digitale Rund-um-die-Uhr-Erreichbarkeit macht es möglich. Schichtarbeit strapaziert Ihr Privatleben immer wieder aufs Neue und es ist eine Herausforderung, eine gesunde Balance zu finden; ein Rhythmus ist fast unmöglich.

Viele Vorgesetzte wünschen sich, dass Sie, als Mitarbeitenden über ihr Handy oder per E-Mail auch zu Hause immer erreichbar sind. Das zunehmende Arbeiten im Homeoffice verstärkt diesen ungesunden Trend: Menschen sind bereit dazu, ihr Handy erst kurz vor dem Schlafengehen oder gar nicht auszuschalten, um immer erreichbar und auf alles gefasst zu sein.

Gleichzeitig kommt die tägliche Bewegung häufig zu kurz – Ihr Körper muss abends ausgelastet sein, um die nötige „Bettschwere“ entwickeln zu können. Ansonsten fühlen Sie sich zwar geistig erschöpft und wollen gerne abschalten, doch Ihr Organismus befindet sich weiterhin in „Kampfbereitschaft“. Statt in den ersehnten Schlaf zu gleiten, wälzen wir uns ruhelos hin und her. 

Schlafstörungen spielen bei jedem fünften Betriebsunfall eine Rolle

Wenn Schlafstörungen chronisch werden und über Monate hinweg andauern, leidet der gesamte Alltag samt Partnerschaft, Hobbys und Familie unter den ruhelosen Nächten. Nun ist der Punkt erreicht, an dem Ihre Situation oft so belastend wird, dass es zu Krankmeldungen und manchmal sogar zu Totalausfällen kommt. Das Thema Schlaf betrifft Sie also als arbeitnehmende Person und auch Ihre Arbeitgeber.

Besonders gefährdet sind Beschäftigte, die:

  • permanent unter Termin- und Leistungsdruck stehen
  • ständig erreichbar sein müssen,
  • sich nicht ausreichend entspannen
  • bei der Arbeit einseitigen körperlichen Belastungen ausgesetzt sind (zum Beispiel durch stundenlanges Sitzen oder Stehen) 
  • In Schichtarbeit oder Nachtarbeit tätig sind
  • ständig wechselnden Arbeitszeiten ausgesetzt sind und dadurch keinen gesunden Rhythmus entwickeln können 
  • regelmäßig mehr als vier Überstunden pro Woche machen müssen 
  • ihre Pausen am Arbeitsplatz vernachlässigen 

9 Dinge, die Sie auf der Arbeit für Ihren Schlaf bewirken können 

Sie können aktiv dazu beitragen, das Bewusstsein ihrer Mitarbeitenden für die Bedeutung der Schlafqualität zu stärken, und sie vor arbeitsbedingten Risiken chronischer Schlaflosigkeit zu schützen. Berücksichtigen Sie dabei folgende Empfehlungen:  

  1. Auch wenn Flexibilität heute Trumpf ist, kann zu viel davon schädlich sein. Versuchen Sie daher, zu häufig wechselnde Arbeitszeiten in der Schichtarbeit zu vermeiden. 
  2.   Schaffen Sie eine Atmosphäre des Vertrauens, in der ihre Mitarbeitenden es wagen, Ihnen von Ihrer Schlaflosigkeit zu berichten. Das sollte auch für kurzfristige Schlaflosigkeit gelten - beispielsweise wenn der Nachwuchs Koliken hatte oder ein Notfall in der Familie die Nachtruhe gekostet hat. Denn so können Sie miteinander dafür sorgen, dass übermüdete Mitarbeitende beispielsweise keine gefährlichen oder risikoreichen Tätigkeiten ausüben. 
  3. Setzen Sie sich für Fortbildungen zum Thema Zeitmanagement, Achtsamkeit im Alltag, Work-Life-Balance und Schlafhygiene ein, um Ihr Team für die Wichtigkeit einer ausgewogenen Lebensführung zu sensibilisieren. Dafür können Sie sich auch selbst in einer Sigeko Fortbildung weiterbilden und dieses Wissen weitergeben.
  4. Ziehen Sie sich zurück und nehmen Sie ausreichende Pausen. Nur, wenn Sie zwischendurch wieder Energie tanken, bleiben Sie in Ihrer Arbeitszeit auch produktiv. Gehen Sie zur Abwechslung eine Runde um den Block, Essen Sie ihr Mittagessen im Park oder schalten Sie mit einer Meditationsapp für ein paar Sekunden ab.
  5. Ermuntern Sie Ihre Mitarbeitenden dazu, ihre Pausenzeiten auch an stressigen Arbeitstagen einzuhalten. Geben Sie aufeinander Acht.
  6. Achten Sie darauf, dass möglichst wenig Termindruck herrscht. Ein permanent gestresstes Team ist auf Dauer weniger leistungsfähig und gesund als ein Team, das aus ausgeruhten, motivierten Mitarbeitenden besteht. 
  7. Sorgen Sie dafür, dass das Thema „Schlaf und Erholung“ fester Bestandteil des betrieblichen Gesundheitsmanagements wird. 
  8. Integrieren Sie das Thema „Schlafmangel als Sicherheitsrisiko“ konstruktiv und anschaulich in Unterweisungen im Bereich Arbeitsschutz.
  9. Signalisieren Sie, dass Sie ihr Handy nach Feierabend ausschalten und berufliche Mails ignorieren. Bei Angestellten in Führungspositionen, deren Tätigkeit eine erweiterte Erreichbarkeit erfordert, können Sie gesonderte Regelungen finden. 

 



 

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